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Vielfalt ist Realität und
Chance. Wir messen Vielfalt einen zentralen politischen
Wert zu und begreifen eine Vielfalt menschlicher Möglichkeiten
der Lebensgestaltung als gesellschaftlichen Reichtum.
Aus dieser Einsicht folgt für uns, Toleranz nicht
nur als bloßes Gewährenlassen zu verstehen.
Toleranz verlangt gegenseitige Achtung für unterschiedliche
Lebensentwürfe.
Wir respektieren Lebenswege, in denen
persönliche Wert- und Lebensvorstellungen ihren
Ausdruck finden, unabhängig davon, ob traditionelle
oder alternative Lebenspläne verwirklicht werden.
Wir lehnen es als zutiefst demagogisch ab, Angst vor
neuen Lebensformen zu verbreiten, diese als Zerstörung
traditioneller Lebensformen zu beschreiben und mit
solchen Unterstellungen Beschränkungen freier
Lebensgestaltung zu begründen. Solche Demagogie
weisen wir auch zurück, wenn Menschen, die sich
zu neuen Lebensformen bekennen, in ihrem Recht zur
Selbstorganisation und politischen Betätigung
beschränkt werden. Wir wollen gegen Diskriminierungen
kämpfen.
Der Vorwurf, wer für größere
Toleranz gegenüber neuen Lebensentwürfen
eintritt, untergrabe die bestehende Wertebasis der
Gesellschaft, ist falsch. Wir sind davon überzeugt,
daß Werte der Entfaltung des Menschseins dienen.
Das Fundament humanistischer Werte wird aber nur gewahrt,
wenn Menschen Werte aufgrund innerer und freier Zustimmung
annehmen. Menschen und Werte werden verletzt, wenn
Menschen ohne Anerkennung ihres Willens und ihres
Gewissens nur als willenlose Instrumente zur Durchsetzung
von Werten mißbraucht werden. Tendenzen in diese
Richtung, wie wir sie insbesondere in fundamentalistischen
Strömungen erkennen, lehnen wir ab.
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Wir halten es für notwendig, daß
die Gesellschaft ein breitgefächertes Reservoir
von Werten zur persönlichen Entfaltung aller
Bürgerinnen und Bürger anbietet. Wir glauben,
daß diese Aufgabe am besten von einer pluralistischen
Gesellschaft bewältigt werden kann. Wir sind
daher nicht nur offen für Vielfalt im privaten
Leben. Unser Ziel ist gesellschaftlicher, künstlerischer,
wirtschaftlicher und ideologischer Pluralismus. Wir
sind davon überzeugt, daß eine pluralistische
Gesellschaft über eine politische Kraft der Zukunftsbewältigung
verfügt, die einer gleichförmigen Gesellschaft
nicht zur Verfügung steht. Toleranz und Pluralismus
sind die Voraussetzungen für starke, lebendige
Demokratie.
Wir sehen in der Freiheit der Kunst
einen unverzichtbaren Beitrag zur humanen Qualität
einer offenen Gesellschaft. Durch die Auseinandersetzung
mit Kunst und Kultur wird das Engagement und die Fähigkeit
von Menschen gefördert, sich mit ihrer Herkunft,
mit ihrer Umwelt und mit sich selbst auseinanderzusetzen
und neue Einsichten und Standpunkte zu gewinnen. Wir
erkennen eine Gefahr durch Tendenzen in der Kunstpolitik,
das Moderne und Aufregende in der Kunst zu monopolisieren.
Wir lehnen alle Versuche ab, Vasallensysteme staatlich
genehmer Avantgarde zu errichten und Kunst als Aufputz
politischer Machtentfaltung zu mißbrauchen.
Wir weisen entschieden die verbreitete
Haltung zurück, neue Ausdrucksformen und die Vielfalt
der Kunst als Kulturkampf libertärer Modernisten
gegen die wohlgeordnete Gesellschaft zu diffamieren.
Wir halten es für ein reaktionäres Mißverständnis,
das Wahre, Gute und Schöne nicht als Ideen zu begreifen,
sondern zum bloßen Dekor einer verdinglichten
Welt verkommen zu lassen. Wir schätzen den Anspruch
moderner Kunst, neue Perspektiven aufzureißen,
Blickwinkel radikal zu verändern und unsere gewohnten
Weisen der Wahrnehmung zu hinterfragen.
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