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Wir sind überzeugt, daß
die starke Demokratie auf die zentralen Motive der
Gleichheit der Bürgerinnen und Bürger, des
Bemühens um Konsens und der Anerkennung von Minderheitenpositionen
verwiesen ist. Die in der Demokratie gegen alle Verfestigung
von Privilegien immer neu herzustellende Gleichheit
plädiert nicht für Konformismus und Nivellierung,
sondern für die Einsicht, daß alle Bürgerinnen
und Bürger in ihrem Wert gleich sind.
Eine pluralistische Demokratie
verlangt transparente, öffentliche, nachprüfbare
und nicht manipulierte Diskussionsprozesse. Wir sind
kritisch gegenüber einer Steuerung der Politik
an Umfragen eingestellt, die momentane Stimmungsbilder
wiedergeben. Nur durch mehrheitliche Meinungsübereinstimmung
wird Demokratie nicht hergestellt. Die Qualität
demokratischer Entscheidungen bemißt sich nach
unserer Auffassung primär nach der Offenheit
und Genauigkeit des Diskussionsprozesses, der Entscheidungen
vorangeht.
Wir anerkennen die zentrale Funktion
von Parteien in der pluralistischen Demokratie. Aber
wir lehnen die netzwerkartige Durchdringung vieler
gesellschaftlicher Bereiche durch Parteien und Verbände
ab. Wir erachten es als notwendig, die fortbestehenden
Patronagesysteme durch die traditionellen Verbände
und Parteien abzubauen. Wir erkennen in diesen Patronagesystemen
eine fortschrittshemmende Blockade für neue Ideen
und Entwicklungen in der Wirtschaft und in der Gesellschaft.
Es müssen sich aber auch die Bürgerinnen
und Bürger vom Glauben an diese Patronagesysteme
lösen.
Die Rolle der traditionellen Verbände
und Parteien als Mittler für den politischen
Willen der Bürgerinnen und Bürger wird brüchiger.
Sie repräsentieren anders als früher oft
nicht mehr deutlich abgegrenzte gesellschaftliche
Gruppen und in ihrem Verhältnis zueinander zentrale
gesellschaftliche Konflikte und sie müssen sich
dessen bewußt werden. Daher ist die öffentliche
Kontrolle der Entscheidungsabläufe in und zwischen
diesen Verbänden und Parteien, insbesondere in
der Sozialpartnerschaft, zu verstärken. Wir benötigen
eine neue Festschreibung der Grenzen der Machtausübung
traditioneller Mehrheiten und der sie repräsentierenden
Verbände und Parteien.
Im Prozeß einer notwendigen
Öffnung der Politik müssen zur Behandlung
politischer Aufgaben neue, punktuelle und themenorientierte
Koalitionen von Akteuren unterschiedlicher politischer
Ebenen geschlossen werden. Wir anerkennen die besondere
Bedeutung, die Bürgerinitiativen und NGOs in
diesem Prozeß zukommt. Wir schätzen deren
besonderen Wert in der politischen Aktivierung der
Bürgerinnen und Bürger. Wir sind allerdings
der Auffassung, daß diese neuen Bewegungen kritischer
ihre eigene demokratische Binnenverfassung prüfen
und auch ihren Teil der Verantwortung wahrnehmen sollten,
daß letztlich politische Entscheidungsprozesse
zu Lösungen auf Grundlage von Verständigung
und Konsens führen.
Wir halten es für falsch, zur Abwehr
politischer Demagogen auf Debatten über die Institutionen
unserer Demokratie zu verzichten. Wir begreifen direktdemokratische
Elemente als Chance, politische Prozesse transparenter
zu gestalten. Es ist diskussionswürdig, Exekutivorgane
-in weiterem Umfang als bisher- in allgemeinen Wahlen
oder durch repräsentative Körperschaften
zu wählen, oder vor Antritt ihres Amtes Hearings
und Vertrauensabstimmungen zu unterwerfen. Leitlinie
für jeden Umbau unserer Institutionen hat aber
zu sein, daß die Gestaltung von Entscheidungsabläufen
sich an der jeweils herstellbaren Öffentlichkeit
und Kommunikation von Inhalten zu orientieren hat.
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Wir erkennen, daß politische Macht
sich in die öffentliche Darstellung von Politik
verlagert. Dadurch wird Politik immer stärker
Kommunikationspolitik. Kommunikation ist ein Machtfaktor
und ein Wirtschaftsfaktor. Öffentlichkeit stellt
sich nicht neutral her, sondern sie wird, oft unter
Einsatz enormer finanzieller Mittel, erzielt und auch
gesteuert. Wir bekennen uns daher zur staatlichen
Finanzierung der Parteien und politischer Bildung.
Wir halten es aber für notwendig, den Einsatz
und die Verwendung sowohl staatlicher als auch privater
finanzieller Ressourcen in der politischen Kommunikation
transparenter zu gestalten und öffentlichen Kontrollen
zu unterwerfen.
In der modernen Kommunikationsgesellschaft
kommt den Medien zentrale Bedeutung zu. Neue Medien
werden unsere politische Kommunikation und unsere
politische Wahrnehmung radikal ändern. Wir benötigen
eine neue Kultur der Wahrnehmung der eigenen demokratischen
Verantwortlichkeit durch die Medien und des verantwortlichen
Umgangs der Politiker mit den Medien. Wir benötigen
Medien, die kritische Distanz zu Machtträgern
wahren können und die gleichzeitig sich ihrer
Aufgaben zur Herstellung politischer Verständigung
bewußt bleiben. Wir benötigen ein effizientes
Wettbewerbsrecht, um Meinungsmonopolisierung und Manipulation
durch Medien zu verhindern, eine Entflechtung bestehender
Medienkartelle und wirksame Instrumente zur Verhinderung
neuer Medienkartelle.
Neue Problemlagen erfordern neue Entscheidungsprozesse.
Die Verknüpfung des demokratischen Bürgerstatus
mit dem Staatsbürgerschaftskriterium auf allen
politischen Ebenen stellen wir in Frage. Wir begrüßen
daher Bestrebungen, Ausländerinnen und Ausländer
in die politische Meinungsbildung einzubeziehen. Wir
begreifen supranationale Integration als Chance, Entscheidungsprozesse,
die aufgrund der Integration der Wirtschaft und globaler
Problemlagen heute bereits international sind, demokratischer
zu gestalten.
Wir erachten die derzeitige demokratische
Legitimation der internationalen Ordnung und der Europäischen
Union für völlig unzureichend. Nur durch
Demokratisierung kann die Aufbringung der erforderlichen
Mittel für supranationale Gemeinschaften legitimiert
und gleichzeitig die effiziente Verwendung dieser
Mittel kontrolliert werden. Der europäische Integrationsprozeß
muß daher zu einem massiven Ausbau der demokratischen
Elemente in der Europäischen Union führen.
Gleichzeitig befürworten wir die Erweiterung
der Europäischen Union. Nach unserer Auffassung
bieten wirtschaftliche und politische Integration
die beste Chance, Frieden dauerhaft zu sichern.
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